Home Touren Kontakt
Weite, Ruhe und ein Fluss mit vielen Gesichtern

Mit dem Fahrrad durch den Alentejo

Saudade und Einsamkeit Sevilla - zu Gast bei A contramano     Mittelalter und Moderne Auf der Burg ein Küsschen für jede Wange Wo der Wolf sprang... Wo der Fluss bergauf fließt Zeltplatzfreuden am Atlantik INFO's unterwegs in den Weiten des Alentejo

 
Saudade und Einsamkeit

Ist es ein wenig Saudade, der portugiesische Weltschmerz, der uns beim Übersetzen mit der Fähre über den Guadiana befällt? Hier an der Küste, wo der Fluss Portugal und Spanien trennt, geht es laut und quirlig zu. Saisonresistente Touristenhochburgen bestimmen das Bild an beiden Ufern. Eine Woche lang erlebten wir den Kontrast, durchstreiften mit dem Fahrrad den Alentejo, eine Landschaft voller stiller, herber Schönheit nördlich der portugiesischen Algarveküste. Manchmal wölbten sich die Pinien mit ihren ausladenden Kronen tunnelähn-lich über dem Asphalt, manchmal bildeten Eukalyptusbäume eine Allee. Und immer wieder tauchten hinter Bergkuppen die weißen Dörfer und Städte auf, mit ihrer dichten und ver-schachtelten Bebauung im historischen Teil und den orientalischen Ornamenten an den Gebäuden. Mauren (Araber) prägten viele Jahrhunderte die Architektur. Die Gehöfte außerhalb der Ortschaften liegen allerdings sehr einsam inmitten großer Ländereien. Die Portugiesen erlebten wir liebenswürdig und hilfsbereit und in einer für südliche Länder eher untypischen Ruhe und Zurückhaltung. Andere Radtouristen sahen wir auf dieser Tour nicht, Einheimische auf Rädern selten. Oft konnten wir uns fast wie auf Fahrradstraßen bewegen. So unrecht hatte also der Autor des Reiseführers nicht, der dem Fahrrad als Fortbewegungsmittel in Portugal ein Schattendasein attestierte. Aber gelegentlich hupten uns Autofahrer bei Anstiegen (und die gab es reichlich) Motivation zu. Na wenigstens etwas...

in der Ferne der Guadianastausee

Zelten an einem Stausee
Sevilla - zu Gast bei A contramano

Als Ausgangspunkt unserer Tour hatten wir das spanische Sevilla gewählt. Die Stadt verfügt über einen internationalen Flughafen ... und außerdem stellte uns Francisco vom dortigen Verein A Contramano kostenlos Vereinsräume zum Übernachten zur Verfügung. So ver-brachten wir einen Abend und eine Nacht in dieser faszinierenden Stadt. Am nächsten Morgen tuckelten wir mit dem Zug über Huelva (Umsteigen) nach Calañas, radelten von dort durch einsame Landstriche ca. 65 km bis Rosal de la Frontera, übernachteten in einem Hostal und standen am nächsten Morgen endlich vor dem blauen Schild mit dem Schriftzug "Portugal" inmitten der Europa-Sterne...
Mittelalter und Moderne

Monsaraz. Weithin sichtbar thront das Bergdorf mit seiner Burg in 300 m Höhe. Dort war sozusagen der nördliche Wendepunkt unserer Tour. Auf Pedalen erwiesen sich die sechs Ki-lometer bis hinauf als schweißtreibende Angelegenheit. Die militärische Bedeutung des Ber-ges in früheren kriegerischeren Zeiten war unschwer zu erkennen. Davon zeugte auch die Befestigung mit Mauern und Türmen. In der Dämmerung strahlte die umliegende weite Landschaft eine besondere Stille und Nachdenklichkeit aus. Autos, Busse und auch unsere Fahrräder blieben vor dem Tor. So begleitete, trotz elektrischer Beleuchtung, ein Hauch von Mittelalter unseren Spaziergang durch die mit Schiefer gepflasterten engen Gassen. Eine Konfrontation mit dem Heute brachte der Blick von den Aussichtspunkten: Als inzwischen riesige vom Wind gekräuselte Wasserfläche breitete sich der Alqueva-Stausee vor unseren Augen aus - Europas größter und unter Ökologen umstrittenster künstlicher See. Das Wasser liefert der Guadiana. Dieser Fluss begegnete uns auf der Tour immer wieder und mit verschiedenen Gesichtern...

Abendstimmung"

Auf der Burg ein Küsschen für jede Wange

Im Städtchen Mourão hatten wir die imposante mittelalterliche Burganlage ganz für uns al-lein. Das heißt, nicht ganz: Ein flinker rundlicher Herr führte uns über Treppen, Mauern und auf Türme (alles ohne Geländer!) erzählte mit Witz und Charme Geschichte und Geschich-ten, bestand darauf, sich von den Frauen mit Küsschen zu verabschieden - eins für jede Wange... Serpa erreichten wir nach ca. 65 km. Manchmal gaben die verwinkelten Gässchen den Blick frei auf das Aquädukt aus dem 11. Jahrhundert, mit erhaltener Schöpfanlage. Den Wegweiser zum Pulo do Lobo fanden wir am Stadtrand. Als graues Band schlängelt sich die Straße dort-hin sanft über und um die Berge und Täler, kaum Autoverkehr. Nach 10 km geht die Asphaltdecke in Schotterbelag über. Nein, kein reifenfeindlicher Grobschotter, sondern eine befestigte Kiesdecke begrenzte unsere Fahrgeschwindigkeit. Auf der Karte eingezeichnete Flussläufe ließen Abfahrten aber auch anstrengende Anstiege erwarten....

"
Wo der Wolf sprang...

Wir erreichten den Guadiana dort, wo er sich, auf wenige Meter zusammen gepresst, zi-schend und sprudelnd in einen mit seinen hochaufragenden Rändern unheimlich wirkenden Felsenkessel ergießt. Die letzten hundert Meter mussten wir zu Fuß hinab steigen. Ein Wolf soll hier mit einem beherzten Sprung an das andere Ufer seinen Jägern entkommen sein, daher der Name Pulo do Lobo (Wolfssprung). In die Felsenfläche neben dem Fluss schliff das Wasser in jahrzehntausendelanger Arbeit Windungen, Löcher und Höhlungen. Der glattgewaschene Schiefer mit seiner Maserung erschien uns wie das Wurzelgeflecht eines urzeitlichen Baumriesen....

Wo der Fluss bergauf fließt

Stille Dörfer und ausgedehnte Oliven- und Korkeichenhaine säumten unseren weiteren Weg. Unter den Eichen fraßen sich schwarze Schweine ihr Fleischgewicht für das Schlachten an. Und immer wieder dieser weite Himmel.... Mértola. Viele Kilometer weiter. Träge grüßte uns hier der Guadiana. In der Residencial Bei-ra-Rio fanden wir die stilvollste Unterkunft der Tour - abgestimmte Farben bei der Innenges-taltung, geschmackvolle Zimmer mit Blick auf den Fluss und das Castelo hoch darüber. Wir genossen es sichtlich. Die Nacht davor hatten wir an einem Stausee gezeltet, romantisch - der Mond spiegelte sich im Wasser. Aber es geht eben doch nichts über eine Dusche am Abend .... Sich ausbreitend, sprudelnd, träge - so erlebten wir den Guadiana bis dahin. Aber erst auf der letzten Etappe, bei der Rast in Alcoutim, verblüffte er uns. Er floss deutlich rückwärts, berg-auf! Die Ankertaue der Boote zeigten straff nach Norden. Sollte der Atlantik wirklich so weit, ca. 40 km, landeinwärts drücken? Ab Alcoutim konnten wir endlich den Fluss nicht nur überqueren, sondern einige Kilometer begleiten - auf einer guten Straße mit immer neuen Aus- und Ansichten hinter jeder Kurve. Wir verabschiedeten uns bei Foz de Odeleite vom Guadiana über einen steilen Anstieg.
Zeltplatzfreuden am Atlantik

Vila Real de Santo António begegnete uns bereits weit vor der Stadtgrenze laut, denn uns bleib keine andere Wahl, als auf dem Standstreifen der autobahnähnlichen Nationalstraße hinein zu rollen. Inmitten von Dauercampern auf dem Platz in Monte Gordo errichteten wir unser Zelt. Als wir einer Dame aus dem Nachbarzelt auf ihre Frage sagten, wir blieben nur eine Nacht, schien sie erleichtert. Sie hatte auch nicht viel von uns, da wir uns gleich in den Atlantik stürzten. Am Morgen dann brachte uns ein älterer Herr vom Zelt gegenüber Tisch und Stühle. Radfahrer sollten wenigstens beim Frühstück ordentlich sitzen... Nun stehen wir mit unseren Rädern auf der Fähre, die uns von Vila Real de Santo António nach Ayamonte, "zurück" nach Spanien bringt. Der Guadiana zeigt sich hier gemächlich. Das Wasser kräuselt sich, als ob es sich nicht für eine Richtung entscheiden kann, und... überlässt sich dem Atlantik.
wieder in Andalusien - am El Hacho Gipfelkreuz in Álora
(Oktober 2003)


INFO's
Anreise:
Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen Faro (Portugal) und Sevilla (Spanien) werden regelmäßig von Deutschland aus angeflogen.
Von Sevilla aus gibt es eine Zugverbindung über Huelva nach Calañas bzw.Cortegana, von wo aus Radtouren in den Alentejo begonnen werden können.
Zwischen Ayamonte und Sevilla verkehren Busse, die auch Fahrräder mitnehmen.

Fahrradmitnahme im Flugzeug: Die meisten Fluggesellschaften nehmen Fahrräder mit (anmelden!), oft ohne zusätzliche Kosten, wenn das Freigepäck nicht allzu sehr überschritten wird (Empfehlung: auch bei Buchung im Reisebüro direkt bei der Fluggesellschaft erkundigen, möglichst nicht vorab im Reisebüro für das Rad bezah-len). Problem bleibt die Verpackung, da beim Flugtransport ziemlich ruppig mit den Rädern umgegangen wird. Empfehlung: Rahmen und empfindliche Teile mit Binden umwickeln oder mit Pappen von Fahrradhändlern. Es gibt auch spezielle Fahrradtragetaschen aus flexiblen oder starrem Material. Letztere sind allerdings unhandlich für die Mitnahme auf dem Rad. Empfehlenswert ist eine Gepäckversicherung, da die Fluggesellschaften nur begrenzt für Schäden haften.

Unterkunft: "Wild" zelten ist kein Problem (außer an der Küste!). In den Städten findet man leicht Hotels oder Herbergen verschiedener Kategorien. Darüber hinaus gibt es auch edlere Landgasthöfe. In der beschriebenen Residencial Beira-Rio in Mértola kostete das Zimmer 35,- € mit Frühstück.

weitere Infos:
- Portugiesisches Fremdenverkehrsamt ICEP, Schäfergasse 17, 60313 Frankfurt/M.
Tel.: 0 69 - 23 40 94, Fax: 0 69 - 23 14 33, E-Mail: dir@icepfra.de

- Kriegsheim. Portugal per Rad. Bd. 1 Algarve - Alentejo. Verlag Wolfgang Kettler