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Kein Kif aus dem Rif
Chefchouen - geheimnisvolle Stadt im Norden Marokkos

Stadt des Abd el Krim Die andalusische Spur Gassen, Winkel und Treppen            doch noch Kif... INFO's


Das bis weit über 2000 Meter hohe Rifgebirge im Norden Marokkos hat in Europa seinen Ruf... geheimnisvoll, exotisch... Kif aus dem Rif...

Nach zwei Stunden Fahrt von der Hafenstadt Tanger über die gut ausgebauten, aber kurvenreichen Straßen taucht, gleißend weiß, Chefchaouen auf. So als sucht die Stadt Schutz, schmiegt sie sich an steile hellgraue Steinhänge, wie eingenistet zwischen den zwei Gipfeln des Jebel-ech-Chaouen, dem Berg der Hörner.
Stadt des Abd el Krim

Die Siedlung wurde 1471 von dem Heiligen Ali Ben Rachid gegründet. In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts, als sich die Rifkabylen unter Abd el Krim gegen die Kolonialherrschaft erhoben und sich mehrere Jahre erfolgreich behaupteten, war Chefchaouen die Hauptstadt ihrer Republik - übrigens bis 1926 für Nichtmoslems geschlossen. Die Spanier öffneten sie mit der Niederschlagung des Aufstandes gewaltsam.

Chefchaouen hat sich zu einem bedeutenden religiösen und politischen Zentrum entwickelt und kann auf etwa 20 Moscheen und Heiligtümer verweisen, deren Bedeutendstes nach dem Gründer Ali Ben Rachid benannt ist. Der Place Uta el-Hammam inmitten des Ortes strahlt Ruhe und Frieden aus. Vor Teestuben und Cafes, unter großen, schattenspendenden Bäumen sitzen Männer und schwatzen. Gegenüber strömen die Gläubigen aus der großen Moschee. Eine Seite des Platzes nehmen die Gemäuer der 1672 unter Moulay Ismail errichteten Kasbah ein. Der Innenhof dieser Burg (nichts anderes bedeutet das arabische Kasbah) hat orientalisches Flair: Die Gebäude sind um einen andalusischen Garten herum angelegt, der Brunnen in der Mitte. Durch die Blätter von Palmen und anderen Bäumen eröffnen sich immer wieder neue Ein- und Durchblicke auf Portale, Mauern und Türme mit Zinnen. Hier befand sich das Gefängnis, in dem Mohammed Ben Abd el Krim 1926 eingekerkert war.
die andalusische Spur

Durch eines der Portale gelangt man in das Zentrum für maurisch-andalusische Kunst. Neben alten Fotografien sind unter anderem traditionelle Musikinstrumente und Sänften aus bemaltem Holz zu sehen. Überall wieder wird der Einfluß Andalusiens deutlich, beim Eintauchen in die Gassen und Gässchen der Altstadt, beim Laufen über Treppen und durch Durchgänge. Die spitzgiebeligen Häuser tragen Ziegeldächer. Zahlreiche Gebäude zieren beschlagene Türen, kunstvolle Gesimse, Vordächer oder schmiedeeiserne Balkone. Die niedrigen Häuser sind hell gekalkt, eine Technik, die das Haus kühl und Insekten fernhalten soll.

Andalusischer Einfluss? Liegt Andalusien nicht in Spanien?! Ja – aber auch dort geht diese Bezeichnung auf ein maurisches (arabisches) Königreich zurück, welches durch die christliche Rekonquista („Rückeroberung“) im 15. Jahrhundert endgültig zerstört wurde. Und „tolerant“ wie die katholischen spanischen Könige damals nun mal waren, wurden diejenigen Mauren, welche sich nicht taufen lassen wollten, nach Marokko vertrieben.
Gassen, Winkel und Treppen

Marokkanischen Städte sehen nur aus der Ferne weiß aus. Ein zweiter Farbton ergänzt das Bild, von Stadt zu Stadt verschieden. Hier in Chefchaouen sind Gebäudesockel, Torbögen, Fensterrahmen hellblau abgesetzt, manchmal auch im Bogen bis in halbe Höhe geführt. Oft reicht die Farbe nur bis kurz unters Dach, und ein Streifen Mauerwerk bleibt unbemalt. Das" Unfertige" fasziniert und erscheint wie eine eigenwillige aber doch gelungene Komposition. Die Altstadt wird von vielen Läden und Verkaufsständen dominiert. Ein kleiner Kunstgewerbeladen erregt die Aufmerksamkeit vor allem der Touristen - Lederwaren, Metallarbeiten, Holzgegenstände - kein Stück gleicht dem anderen. Nourdin, einer der Inhaber, erzählt, dass er die Waren bei Handwerkern im umliegenden Rifgebirge persönlich ausgewählt habe und die Qualität bis aufs I-Tüpfelchen stimmen müsse.

In einer engen Gasse über einer schmalen Tür kündet ein Schild „Chez Fouad“. Eine schmale Wendeltreppe führt in diesem Restaurant nach unten: angenehmes Halbdunkel empfängt die Gäste, zwei große Tische, Bänke mit Sitzkissen. Tashine ist selbstverständlich auch im Speisenangebot: Hammel-, Rind- oder Geflügelfleisch mit Kartoffeln oder Gemüse wird in einem Topf gekocht. Und dieses Keramikgefäß mit dem spitz zulaufenden Deckel wird auch Tashine genannt. Trotz der traditionellen Zubereitung bekommen Europäer selbstverständlich Gabeln gereicht...

Dunkel wird es in diesen Breiten ziemlich schnell und fast immer zur gleichen Zeit, sommers wie winters. Deshalb ist Eile geboten, wenn man noch bei Tageslicht auf das Minarett; einer nicht mehr genutzten Moschee außerhalb der Stadt steigen will. Die untergehende Sonne färbt die weiße Stadt orangerot. Wenig später schon hebt sich Chefchaouen nur noch durch die Lichter der Häuser und Straßen von der dunklen Silhouette der Berge ab.
doch noch Kif...

Übrigens, auch Kif wurde uns von Jugendlichen flüsternd angeboten. Wir raten jedem Besucher dringend auch nur vom Versuch ab. Die Strafen sind drastisch und welche anheimelnde Atmosphäre von hiesigen Gefängnissen ausgeht, konnten wir beim Vorbeifahren an solch einer Einrichtung in Tanger erahnen...
(Dezember 1998)
Und im Oktober 2012 waren wir wieder dort. Die Faszination hat nicht nachgelassen...


INFO's
DIE Marokko-Expertin ist Kora. Und Chefchouen ist ihre Lieblingsstadt. Das ist ihre Seite: http://www.kora-in-marokko.com