Glück ab und gut Land

Mit dem Heißluftballon über den Nottekanal

Zwei Frauen und vier Männer sitzen im Jeep mit der Aufschrift „Ballonfahrten“: – dazu Matthias, der Pilot und der Fahrer des Begleitfahrzeuges. Auf einer Wiese hinter der Ortschaft Kallinchen ist der passende Startplatz gefunden. Der Korb wird aus dem Hänger heraus gezogen, das Gestell mit den Brennern aufgesetzt, die Ballonhülle aufgerollt. Eine knatternder  großer Ventilator bläht die Hülle auf die Größe einer kleineren Traglufthalle. Dann zündet Matthias den Brenner. Es wird heiß. Der Ballon richtet sich in seiner ganzen Schönheit von 28m auf. Der Pilot selbst steht schon im Korb.

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Schnell muss es jetzt gehen, die sechs Passagiere steigen in den Korb und.... verlieren nach dem Ausklinken der Sicherheitsleine langsam die Bodenhaftung. Kein Rütteln und Schütteln – ruhig und majestätisch steigt das Luftgefährt in die Höhe. Nur das gelegentliche Einschalten des Brenners stört die Stille. Sonst ist es  wie immer beim Fliegen: Wälder, Ortschaften, Spuren auf Wiesen und Feldern fügen sich zu einem Bild. Selbst umgeknickte Getreidehalme sehen von oben aus wie ein gewolltes Gesamtensemble. Auf dem Boden „verfolgt“ das Begleitfahrzeug den Heißluftballon – immer im Funkkontakt mit dem Piloten.

Mit knapp 400m erreicht das Luftgefährt diesmal seine maximale Höhe - ungefähr die des Berliner Fernsehturms, welcher fern im Dunst zu sehen ist. Bis zu 700m ist in dieser Gegend der Aufstieg erlaubt, wegen des nahen Flughafens Schönefeld. 4000m wären technisch möglich.

Den meisten Spaß bereitet die Fahrt jedoch unterhalb von einhundert Metern. Ballonfahrer sind sozusagen die Radfahrer unter den Luftfahrern... und verhalten sich auch so. Man ruft schon mal ein „Guten Abend“, nicht über den Gartenzaun sondern von oben in den Garten hinein und die Antwort ist nicht weniger freundlich. Offensichtlich empfindet das die Tierwelt nicht so: Hunde bellen aufgeregt, Geflügel flüchtet in den Stall und auch die Ricke mit ihrem Kietz reagiert wie auf eine Bedrohung durch einen überdimensionierten Raubvogel.

Nach einer dreiviertel Stunde wackelt der Zeiger am Manometer der Gasflasche. Es wird Zeit, einen Landeplatz zu suchen. Unten zieht majestätisch der typisch märkische Kiefernwald vorbei. Dann erscheint ein großes Maisfeld. Aber ... es ist noch nicht abgeerntet. Doch vorn, hinter der Allee, erstreckt sich eine abgeerntete Fläche. Der Brenner faucht noch mal: Mit einem leichten Höhengewinn „hüpft“ der Ballon über die Bäume und .... setzt das erste Mal auf. „Mit dem Rücken in Landerichtung und festhalten“ lautete die Anweisung schon vor dem Start. Als ob er sich nicht mit seinem Niedergang abfinden wollte, hebt der Ballon noch mal kurz ab – erneuter Bodenkontakt, der Korb kippt, steht wieder. In der Hülle herrscht noch soviel Auftrieb, dass die Passagiere zwar aussteigen können, den Korb aber von allen Seiten  festhalten müssen. Endlich fällt die Hülle in sich zusammen und sinkt in Windrichtung zu Boden. Das Begleitfahrzeug ist ebenfalls zur Stelle und zügig werden Ballon und Ausrüstung wieder verstaut. Luftlinie 13 km beträgt die Entfernung vom Startplatz bis hierher, nahe des Dörfchens Wietstock.

Apropos „fahren“ – so heißt es, wenn sich der Ballon durch den Luftraum bewegt. Wer schon mal mit“flog“ und das auch so sagt, ist den anderen eine Runde schuldig. Denn zum Ballonfahren gehört auch Brauchtumspflege: Die Passagiere werden nach der Landung in den Adelsstand erhoben. Das soll zurück gehen bis in die Anfänge im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Die Gebrüder Montgolfier bauten den ersten Heißluftballon und der König befand, nur Adlige dürften sich in die Lüfte erheben... Also knien sich alle Erstfahrer nieder, erhalten die Taufe mit angesengtem Haar und Ablöschen durch Sekt und einen phantasievollen Adelstitel.

Aufgenommen in diese neue Gemeinschaft werden die frischgebackenen Ballonfahrer zum Parkplatz zurück transportiert und standesgemäß verabschiedet: „Glück ab – gut Land“.

Informationen

Th. Piede Balloon Adventures
Potsdamer Straße 37
15711 Königs Wusterhausen 
Tel.: 03375/29 32
Fax: 03375/29 32
Hier kostet die Fahrt pro Person 350,- DM.

Andere Anbieter sind unter www.ballonfahrten.de oder www.lausitz-ballonfahrten.de zu erreichen.