Grenzenlos – von Burg zu Burg

Das nördliche Elsass bietet ideale Bedingungen auch für Fahrrad-Touristen

„Weißenburg“   - wird der nächste und letzte Halt im Regionalzug der Deutschen Bahn AG aus Neustadt/Weinstraße angekündigt.... und „Wissembourg„ verkündet das Schild auf dem Bahnhof. Also sind wir in Frankreich. Abgesehen von der eindeutigen staatsrechtlichen Zuordnung ist diese Region kulturell weder so richtig französisch noch so richtig deutsch – es ist eben das Elsass.

Mit "Grenzenlos - von Burg zu Burg" wirbt ein EU-gefördertes transnationales Tourismusprojekt für den Besuch von 16 mittelalterlichen Festen auf den Höhen der französischen Nordvogesen und des deutschen Pfälzerwaldes. Vier Wandertouren werden vorgeschlagenen. Landschaft heißt hier Wald, Wald und nochmals Wald und dazu sandsteinrote Felsen. Irgendwo dazwischen liegt die Grenze. In diesem Landstrich, oft in schwindelnder Höhe, liegen die markanten Überreste wehrhafter Burgen und Feudalsitze nah beieinander. Alle deuten sie auf fast tausendjährige deutsch-französische Verflechtungen hin aber auch auf ausgeprägtes gegenseitiges Misstrauen der hoch oben thronenden Geschlechter.

Wir haben die Fahrräder dabei. Das verheißt hier zwar etwas Anstrengung, denn die Burgen wurden nun nicht gerade im Flachland errichtet. Vor allem aber bringt eine Radtour Genuss – nicht nur wegen der Landschaft und der mittelalterlichen Gemäuer sondern auch wegen des Reizes der Städte und Dörfer, mit kleinen Pensionen, gemütlichen Gaststätten und nicht zuletzt wegen der einheimischen Küche. Neben wenig befahrenen Nebenstraßen gibt es auch ein gut ausgebautes Radwegenetz. Und - der (sportlich-touristische) Radfahrer wird, wie überall in Frankreich nicht nur akzeptiert, sondern oft auch bewundert!

Von unserem Ausgangspunkt Wissembourg bis zu unserem ersten Ziel dem Chateau de Loewenstein sind es zwar nur 18 km, dafür waren am Pass Col du Pigeonnier fast 500 Höhenmeter zu überwinden. Während wir vor der Abfahrt verschnaufen, kommen von der anderen Seite Läufer einen Waldweg hinauf gerannt. Es geht also auch noch ein bischen härter...

Vom Parkplatz unterhalb der Burg sehen wir durch die Wipfel auf dem 550 m hohen Schlossberg den Loewenstein auf zwei durch eine Schlucht getrennten Sandsteinfelsen. Im 13./14. Jahrhundert verunsicherten Raubritter von hier aus die Gegend. Sie sollen sogar ihre Pferde falsch herum beschlagen haben, um mögliche Verfolger in die Irre zu führen. Auf dem benachbarten Hohenstein hinterließen nicht die "schwerer Jungs" ihre Spuren sondern die "Rock und Pop-Szene" des Mittelalters - also die Minnesänger. Hierher folgen wir – zu Fuß – dem gut markierten Wanderweg. Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, diente der Hohenstein Troubadouren wie Konrad Puller von Hohenburg und Franz von Sickingen als Sitz. Vom Glanz und der Imposanz vergangener Zeiten kündet nur noch das Renaissanceportal. Die schon damals verträumte Romantik des Ortes ist in der Manesischen Liederhandschrift überliefert:

Nu ist die heide in lichtem Kleide worden bar und ouch der gruene walt da vil schone in suezem done sungen vogel in stimme manikvalt.

Die Aussichtsplattform auf dem Turm überragt alle umliegenden Höhen: Westlich, zum Greifen nahe, sehen wir den der Fleckenstein – das wohl auch überregional bekannteste Kastell im nördlichen Elsass...

Den Weg dorthin schaffen wir, wenn auch nicht auf direktem Wege, sicherlich schneller als die mittelalterlichen Minnesänger - schon wegen der guten Straße. Zuerst rollen wir fast ohne Muskelkraft bis zum am Wasser gelegenen Camping de Fleckenstein. Hier weist uns ein Schild  auf weitere 5 km hin - zum Erwärmen - denn es geht leidlich bergauf: Also 'raus aus dem Sattel und in die Pedalen stellen oder schieben.
Nach einer Kurve endet der Wald und dann steht der Fleckenstein vor uns: Mit seiner Länge von 92m, der Breite von 12m sowie der Höhe von 26m eine der mächtigsten Burgen im Nordvogesen. Die dazugehörige Herrschaft soll die wichtigste der Region gewesen sein. Bereits im 12. Jahrhundert spielte das Geschlecht der Fleckensteiner eine politische Rolle; von der ursprünglichen Burg (1689 durch französische Truppen zerstört) steht nur noch die Hauptburg. Bereits im 12. Jahrhundert wurde angefangen, die Anlage auf der steil aufragenden Felsplatte zu errichten. In den in den roten Fels gehauenen Gemächern beeindrucken die Meißelspuren – als wären die Arbeiter nur mal kurz nach Hause gegangen...

Auf dem Rückweg tangieren wir noch bei Lembach ein völlig unromantisches Schutz- und Trutzbauwerk jüngeren Datums - die Maginot-Linie, errichtet zwischen den beiden Weltkriegen zum Schutz vor einem deutschen Angriff.

Nach Wissembourg zurück rollt es sich dann so richtig locker-leicht, keine größeren Anstiege sind mehr zu überwinden. Nur im Weinkeller in Climbach unterbrechen wir für eine letzte Pause...

Infos

Bei Ausnutzung von Gruppentarifen (ab 6 Personen) kann man für 142,- DM mit dem Fahrrad von Berlin bis Wissembourg und zurück reisen (ca. 10 Stunden, 3mal umsteigen).

Hotel d'Alsace, Hotel de la Gare

Office de Tourisme de Wissembourg
9 place de la République B.P. 120F 67163
Tel. : 0033/ 3 88 94 1011
Fax : 0033/ 388 94 18 82

e-mail:  tourisme.wissembourg@wanadoo.fr
Internet: 
www.ot-wissembourg.fr